Wohn- und Jobmesse Tondern: Boom deutscher Auswanderer
<p>Am 18. September 2026 verwandeln sich die Tønderhallerne erneut in einen Anziehungspunkt für auswanderungswillige Deutsche: Die Wohn- und Jobmesse in Südjütland geht bereits in ihre dritte Runde und trifft damit auf einen ungebrochenen Trend. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger aus Deutschland entscheiden sich für ein Leben jenseits der Grenze – Tendenz steigend.</p><h2>Vier Kommunen, ein gemeinsames Ziel</h2><p>Zum dritten Mal in Folge bündeln die Kommunen Haderslev, Sønderborg, Tønder und Aabenraa ihre Kräfte, um Interessierten aus Deutschland und der Grenzregion einen umfassenden Einblick in das Leben, Wohnen und Arbeiten in Südjütland zu geben. Die Veranstaltung findet von 12 bis 15 Uhr in den Tønderhallerne statt. Die Organisatoren rechnen mit rund <strong>1.000 Besucherinnen und Besuchern</strong> – ein Indiz dafür, wie groß das Interesse an einem Umzug nach Dänemark inzwischen ist.</p><p>Die Messe richtet sich dabei nicht nur an bereits ansässige Bürgerinnen und Bürger der Region, sondern explizit auch an deutsche Interessierte, die sich für die Möglichkeiten in Südjütland begeistern. Angesichts der Entwicklung der vergangenen Jahre ist diese Zielgruppe längst kein Nischenpublikum mehr.</p><h2>Zahlen belegen den Trend</h2><p>Wie stark der Zuzug tatsächlich ist, zeigen aktuelle Statistiken deutlich: Die Zahl deutscher Staatsbürger in der dänischen Grenzregion Nordschleswig hat sich in den vergangenen sechs Jahren verdoppelt. Mittlerweile leben dort mehr als <strong>9.600 Menschen mit deutschem Pass</strong>. In ganz Dänemark sind es inzwischen rund <strong>36.000 deutsche Staatsbürger</strong> – etwa 10.000 mehr als noch Ende 2020. Hinzu kommt ein reger Pendlerverkehr: Mehr als <strong>13.000 Menschen</strong> überqueren täglich die Grenze, um in Dänemark zu arbeiten.</p><p>Peter Hansen, Leiter des Regionskontors Sønderjylland-Schleswig, ordnet die Entwicklung ein: „Der ganz große Corona-Hype scheint vorbei zu sein, aber die Zahlen entwickeln sich weiter auf einem hohen Niveau.“ Die größten Sprünge in der Statistik verzeichneten die Jahre 2020 bis 2023 – also die Phase der Pandemie, in der viele Deutsche mit den politischen Entscheidungen rund um die Corona-Maßnahmen in ihrer Heimat unzufrieden waren. Doch auch nach Abklingen dieser besonderen Situation bleibt der Zuzug auf hohem Niveau bestehen.</p><h2>Was Deutsche wirklich nach Dänemark zieht</h2><p>Die Gründe für den Umzug sind vielschichtig. Laut Hansen spielt vor allem das größere Vertrauen in Behörden und politische Entscheidungen eine zentrale Rolle – ein Aspekt, der in Deutschland offenbar zunehmend vermisst wird. Auch die Region selbst punktet mit klaren Standortvorteilen: sichere Rahmenbedingungen im Alltag, attraktive Wohnmöglichkeiten, starke Gemeinschaften sowie die Nähe zur Natur und zur deutsch-dänischen Grenze werden von Zugezogenen immer wieder genannt.</p><p>Interessant ist dabei die Zusammensetzung der neuen Bewohner: Viele von ihnen befinden sich im erwerbsfähigen Alter und sind gut ausgebildet. Gleichzeitig wächst die Zahl der Familien mit Kindern, die den Schritt über die Grenze wagen. Für manche Familien ist dabei sogar die Möglichkeit, das eigene Schulmodell umzusetzen, ein entscheidendes Argument für den Umzug nach Dänemark.</p><p>Nicht alles ist jedoch günstiger im Nachbarland: Bei der Anmeldung eines Autos können schnell mehrere Tausend Euro Steuern fällig werden, auch die Kita-Gebühren liegen häufig deutlich über dem deutschen Niveau. Wer sich für ein Leben in Dänemark entscheidet, sollte laut Hansen zudem bereit sein, sich aktiv in die Gemeinschaft einzubringen – Rückzug und Isolation stoßen in der dänischen Gesellschaft eher auf Unverständnis. Als Anknüpfungspunkt für viele Zugezogene dient dabei häufig die deutsche Minderheit in Nordschleswig, die bereits über gewachsene Strukturen und Netzwerke verfügt.</p><h2>Bewusste Vorbereitung als Erfolgsfaktor</h2><p>Wer den Schritt über die Grenze plant, sollte sich diesem nicht spontan nähern. Erfahrungsberichte von bereits Ausgewanderten zeigen: Eine intensive Vorbereitungszeit von etwa eineinhalb Jahren, in der man sich mit Sprache und Kultur des Nachbarlandes auseinandersetzt, zahlt sich langfristig aus. Genau hier setzt die Wohn- und Jobmesse an – sie bietet Interessierten die Möglichkeit, sich direkt vor Ort zu informieren, Kontakte zu knüpfen und offene Fragen rund um Arbeit, Wohnraum und Alltagsleben in Südjütland zu klären.</p><h2>Fazit und Ausblick</h2><p>Die Wohn- und Jobmesse in Tondern ist längst mehr als eine regionale Informationsveranstaltung – sie ist zum Symbol eines anhaltenden gesellschaftlichen Trends geworden. Da die Zahlen deutscher Zuwanderer auch nach dem Abklingen der Corona-Sondereffekte auf hohem Niveau verharren, dürfte das Interesse an der Messe auch in den kommenden Jahren ungebrochen bleiben. Für die vier veranstaltenden Kommunen ist dies eine Chance, dringend benötigte Fachkräfte zu gewinnen und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter zu vertiefen – ein Format, das angesichts der demografischen Entwicklung in der gesamten Grenzregion an Bedeutung weiter zunehmen dürfte.</p>