Polis Convention 2026: Zurückhaltung prägt Immobilienmarkt
<p>Die Stimmung in der deutschen Immobilienbranche bleibt verhalten. Aktuelle Umfragen unter Branchenakteuren zeigen: Wer 2026 mit uneingeschränktem Optimismus plant, ist eine Seltenheit. Gleichzeitig zeichnen sich klare Gewinner und Verlierer unter den Nutzungsarten ab – ein Trend, der auch auf einschlägigen Branchenevents wie der Polis Convention Thema sein dürfte.</p><h2>Wohnimmobilien bleiben klarer Favorit</h2><p>Während viele Marktteilnehmer insgesamt zurückhaltend in die Zukunft blicken, gibt es bei einer Nutzungsart kaum Zweifel: Wohnimmobilien. Laut einer aktuellen EY-Umfrage stehen sie bei <strong>84 Prozent der Befragten</strong> im Investitionsfokus – mit deutlichem Abstand zu allen anderen Segmenten. Auch bei den Preiserwartungen zeigt sich Zuversicht: <strong>76 Prozent</strong> rechnen mit steigenden Preisen in Prime-Lagen, immerhin <strong>50 Prozent</strong> auch in weniger gefragten Lagen.</p><p>Auf den Plätzen zwei und drei folgen mit deutlichem Abstand Logistikimmobilien (<strong>57 Prozent</strong>) und der Lebensmitteleinzelhandel (<strong>50 Prozent</strong>). In beiden Segmenten erwarten die Befragten überwiegend eine stabile Preisentwicklung. Auch der Colliers-Ausblick 2026 bestätigt: „Das Sentiment bei Wohnimmobilien wird auch im Jahr 2026 mit Abstand am positivsten sein“, heißt es dort – ergänzt um die Einschätzung, dass die guten Performancezahlen von Hotelimmobilien eine weitere Belebung erwarten lassen.</p><h3>Hotelmarkt zeigt Wachstumsdynamik</h3><p>Tatsächlich gehört der Hotelsektor zu den positiven Ausnahmen im aktuellen Marktumfeld. So plant der deutsche Hotelmarktführer B&B Hotels laut Colliers-Ausblick, 2026 rund <strong>20 neue Standorte mit mehr als 2.000 Zimmern</strong> in Deutschland zu eröffnen – nachdem allein 2025 über <strong>40 neue Hotels mit 3.700 zusätzlichen Zimmern</strong> hinzugekommen sind. Der Expansionsdrang der Branche ist insgesamt groß: Laut einer Umfrage von SELECT Hotel wollen <strong>74 Prozent</strong> der in Deutschland tätigen Betreiber durch Zukäufe, neue Pachtverträge und Franchisekonzepte weiter wachsen.</p><h2>Büroimmobilien im Schatten der Zurückhaltung</h2><p>Ganz anders sieht die Lage bei Büroimmobilien aus. Nur noch <strong>39 Prozent</strong> der Marktakteure sehen dieses Segment im Fokus ihrer Investitionsstrategie. Die Preiserwartungen sind entsprechend gedämpft: Selbst in Prime-Lagen rechnet lediglich rund die Hälfte der Befragten (<strong>51 Prozent</strong>) mit einer Seitwärtsbewegung, jenseits davon erwartet eine deutliche Mehrheit von <strong>76 Prozent</strong> sinkende Preise.</p><p>Florian Schwalm, Managing Partner und Europe West Leader Government, Infrastructure & Real Estate bei EY-Parthenon sowie Geschäftsführer der EY Real Estate GmbH, ordnet die Entwicklung ein: Das negative Narrativ rund um Büroimmobilien habe zwar spürbar nachgelassen, dennoch bleibe die Zurückhaltung bei Engagements in diesem Segment auch 2026 wirksam. Vereinzelte Investoren, die drei Jahre lang abwartend agiert hätten, planten nun jedoch wieder erste Schritte in diesem Bereich.</p><h3>Neue Megatrends verändern die Prioritäten</h3><p>Bemerkenswert ist ein Wandel bei den als entscheidend eingestuften Markttreibern: <strong>94 Prozent</strong> der Befragten nennen inzwischen die demografische Entwicklung als wichtigsten Megatrend – ein Wechsel gegenüber den Vorjahren, in denen die Zinsentwicklung seit der Krise ab 2023 dominierte. Veränderungen des Kapitalmarktumfelds bleiben laut <strong>82 Prozent</strong> der Befragten zwar weiterhin ein entscheidender Faktor, werden für 2026 aber als weniger relevant eingeschätzt als politische Instabilitäten, gesetzliche Regulierung sowie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.</p><h2>Internationales Kapital rückt Deutschland wieder in den Fokus</h2><p>Trotz der verhaltenen Grundstimmung bleibt Deutschland auch 2026 ein zentrales Ziel für internationales Kapital – 2025 belegte der Standort Rang drei hinter Großbritannien und den USA. Im europäischen Vergleich genießt laut einer INREV-Umfrage vom September 2025 Spanien das beste Investment-Momentum, gefolgt von Italien und Deutschland. Besonders gefragt sind hierzulande die Nutzungsarten Wohnen, Hotel, Einzelhandel sowie selektiv Logistik. Insbesondere angelsächsische Investoren und französische SCPI-Vehikel zeigen laut Colliers verstärkte Aktivität, da die gefallenen Preise Einstiegsmöglichkeiten böten, die auch in deutschen A-Städten für opportunistische Strategien interessant seien.</p><h3>Nachhaltigkeit und Digitalisierung als Querschnittsthemen</h3><p>Neben den klassischen Markttreibern gewinnen strukturelle Trends an Bedeutung: Energieeffiziente Gebäude, erneuerbare Energien und niedrige Betriebskosten beeinflussen Investitions- und Kaufentscheidungen zunehmend. Parallel dazu wird digitale Vermarktung zum Standard – virtuelle Besichtigungen, datenbasierte Analysen und PropTech-Lösungen verändern Arbeitsprozesse in der Branche spürbar. Künstliche Intelligenz unterstützt dabei zunehmend Marktanalysen, Exposé-Erstellung und die Kommunikation mit Interessenten, ohne die persönliche Beratung zu ersetzen.</p><p>Auch auf Branchenveranstaltungen spiegelt sich dieser Wandel wider: 2026 startet etwa die Polis Convention mit dem neuen Themenbaustein „polis tomorrow“, der gezielt Energie, Netze und Raum in den Mittelpunkt rückt und damit die zunehmende Verzahnung von Stadtentwicklung, Infrastruktur und Nachhaltigkeit thematisiert.</p><h2>Fazit und Ausblick</h2><p>Die Immobilienbranche steht 2026 an einem Scheideweg zwischen struktureller Vorsicht und selektivem Aufbruch. Während Wohnimmobilien und der Hotelsektor klare Wachstumssignale senden, bleibt der Büromarkt vorerst im Schatten der Zurückhaltung. Gleichzeitig verschieben sich die großen Treiber der Branche: Demografie, Regulierung und Digitalisierung rücken stärker in den Fokus als reine Zinsfragen. Für Aussteller und Besucher von Fachmessen wie der Polis Convention bedeutet das: Wer 2026 Impulse setzen will, muss Nachhaltigkeit, Technologie und neue Nutzungskonzepte konsequent mitdenken – die Weichen für den nächsten Marktzyklus werden schon jetzt gestellt.</p>