Gamescom: Koelnmesse darf AfD-Zugang nicht verweigern
<p>Die Gamescom in Köln gilt als eines der bedeutendsten Computerspiele-Events weltweit – im August 2025 zählte die Messe nach offiziellen Angaben über 357.000 Besucherinnen und Besucher. Doch abseits der glänzenden Bühnenshows und Ausstellerhallen sorgt derzeit eine rechtliche und politische Auseinandersetzung für Schlagzeilen: Darf die Koelnmesse Mitgliedern der AfD den Zugang zur Messe verweigern? Die Antwort fällt eindeutig aus – und offenbart ein komplexes Zusammenspiel zwischen Messeveranstalter und Branchenverband.</p>
<h2>Neutralitätspflicht der Koelnmesse</h2> <p>Im Zentrum der Debatte steht die Rolle der Koelnmesse als Betreiberin des Messegeländes. Ihre Aufgabe bestehe, so die Argumentation, lediglich darin, einen „rechtssicheren, sicheren und professionellen Rahmen für Messeveranstaltungen“ zu gewährleisten. Als öffentlich-rechtlich geprägtes Unternehmen unterliegt die Koelnmesse einer Neutralitätspflicht: Sie darf einzelnen Personen oder Gruppen den Zutritt nicht allein aufgrund ihrer politischen Zugehörigkeit verwehren. Genau hier verläuft jedoch eine feine, aber entscheidende Grenze – denn die Gamescom wird nicht allein von der Koelnmesse verantwortet.</p>
<h2>Die Gamescom als Partnerschaftsmodell</h2> <p>Die Markenrechte der Gamescom liegen beim Branchenverband Game, der die Veranstaltung gemeinsam mit der Koelnmesse organisiert und durchführt. Diese Konstruktion als „Partnerschaft“ verschafft dem Verband einen eigenen Gestaltungsspielraum, der über die reine Infrastrukturbereitstellung der Koelnmesse hinausgeht. Genau an dieser Stelle greift die Entscheidung des Game-Verbands, wonach „mit der AfD sowie mit Personen, die diese Partei vertreten oder repräsentieren“ erklärtermaßen keinerlei Zusammenarbeit stattfindet. Der Verband positioniert sich damit unmissverständlich und macht deutlich: Auf der Gamescom sind Vertreter dieser Partei nicht willkommen.</p>
<h3>Rechtlicher Spagat zwischen Messebetreiber und Veranstalter</h3> <p>Die Situation zeigt exemplarisch, wie unterschiedlich die rechtlichen Verpflichtungen von Messebetreiber und ausrichtendem Verband ausfallen können. Während die Koelnmesse als neutrale Infrastrukturanbieterin agieren muss und den physischen Zugang zum Gelände nicht diskriminierend gestalten darf, kann der Game-Verband als inhaltlicher Ausrichter der Veranstaltung eigene Zulassungskriterien definieren. Diese Doppelstruktur – Gelände einerseits, inhaltliche Verantwortung andererseits – erklärt, warum die Koelnmesse den Zugang nicht pauschal verweigern darf, der Verband aber dennoch klare politische Grenzen ziehen kann.</p>
<h2>Bedeutung für die Games-Branche</h2> <p>Für die Games-Industrie ist diese Positionierung mehr als ein juristisches Detail. Die Gamescom, seit 2009 fester Bestandteil des internationalen Messekalenders, ist längst zu einem Aushängeschild der deutschen Kreativwirtschaft geworden. Die Opening Night Live, moderiert vom kanadischen Moderator Geoff Keighley, gilt als eines der Highlights der Veranstaltung: Das zweistündige Programm startet traditionell am Dienstagabend um 20 Uhr auf dem Koelnmesse-Gelände. Für die Ausgabe 2026 kosteten die Tickets 34,50 Euro – die 5.000 verfügbaren Karten waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, ein deutliches Zeichen für die ungebrochene Anziehungskraft der Show.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund wird deutlich, welches Gewicht die klare Haltung des Game-Verbands hat. Eine Branche, die international auf Offenheit, Vielfalt und globale Zusammenarbeit angewiesen ist, positioniert sich bewusst gegen eine Partei, die in Teilen ihrer politischen Ausrichtung im Widerspruch zu diesen Werten steht. Gleichzeitig zeigt der Fall, dass Messeveranstalter wie die Koelnmesse in einem Spannungsfeld agieren: Einerseits müssen sie rechtliche Neutralität wahren, andererseits tragen sie als Gastgeber auch eine gewisse Mitverantwortung für das Erscheinungsbild der bei ihnen stattfindenden Veranstaltungen.</p>
<h3>Reaktionen aus der Branche</h3> <p>Die Entscheidung des Verbands wird in der Fachöffentlichkeit als klares Signal gewertet. Berichte sprechen von einer „Brandmauer“, die die Gamescom damit untermauert. Für Aussteller, Entwicklerstudios und internationale Partner dürfte diese Positionierung eine gewisse Planungssicherheit schaffen – schließlich definiert sie den politischen Rahmen, in dem sich die Messe künftig bewegen will.</p>
<h2>Fazit und Ausblick</h2> <p>Der Fall Gamescom verdeutlicht exemplarisch, wie komplex die rechtliche und organisatorische Struktur großer deutscher Messeveranstaltungen sein kann. Während die Koelnmesse als Betreiberin des Geländes an Neutralitätspflichten gebunden bleibt, kann der Game-Verband als inhaltlicher Mitveranstalter eigene Wertehaltungen durchsetzen. Für die Zukunft der Gamescom bedeutet dies: Die Messe bleibt ein offener Marktplatz für Technologie und Unterhaltung, positioniert sich aber gleichzeitig klar gegen politische Kräfte, die sie als unvereinbar mit ihren Grundwerten betrachtet. Angesichts der ungebrochenen Popularität – belegt durch die rasant ausverkauften Tickets der Opening Night Live und die anhaltend hohen Besucherzahlen – dürfte diese Debatte auch künftige Ausgaben der Veranstaltung begleiten.</p>