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Expo Real 2026: Immobilienbranche zwischen Zurückhaltung und Aufbruch

Nacer BOUSFIHA25. September 20263 Min. Lesezeit
Expo RealImmobilienwirtschaftMünchenInvestmentmarktBetreiberimmobilien

<p>Vom 5. bis 7. Oktober 2026 öffnet die Expo Real in München wieder ihre Tore – und die Branche blickt mit gemischten Gefühlen auf das kommende Messejahr. Zwischen anhaltender Vorsicht bei klassischen Assetklassen und ersten Anzeichen einer Belebung sucht die Immobilienwirtschaft nach neuer Orientierung. Der aktuelle Expo-Real-Trendindex liefert dazu ein aufschlussreiches, aber durchwachsenes Stimmungsbild.</p>

<h2>Verhaltenere Marktstimmung als im Vorjahr</h2> <p>Der Expo-Real-Trendindex zeigt für 2026 eine spürbar zurückhaltendere Markteinschätzung als noch im Vorjahr. Die Euphorie früherer Boomjahre ist einer nüchternen Bestandsaufnahme gewichen. Dennoch ist die Stimmung keineswegs durchweg pessimistisch: Insbesondere im Wohnsegment bleibt das Sentiment 2026 mit Abstand am positivsten. Auch bei Hotelimmobilien lassen die guten Performancezahlen der vergangenen Zeit eine weitere Belebung erwarten.</p> <p>Beim Büromarkt hat sich das Bild differenziert: Das lange dominierende negative Narrativ rund um Büroimmobilien hat spürbar nachgelassen. Gleichwohl wird die Zurückhaltung bei Engagements in diesem Segment auch 2026 weiterwirken. Bemerkenswert ist, dass vereinzelte Investoren, die sich seit drei Jahren zurückhaltend gezeigt haben, nun wieder aktiver werden wollen – ein vorsichtiges Signal für eine mögliche Trendwende.</p>

<h3>Betreiberimmobilien als stabilisierender Faktor</h3> <p>Neben den klassischen Nutzungsarten rücken zunehmend Betreiberimmobilien in den Fokus institutioneller wie privater Investoren. Data-Center, Gesundheits- und Bildungsimmobilien sowie Self-Storage-Angebote gewinnen an Bedeutung, da sie weitgehend unabhängig vom klassischen Immobilienzyklus agieren und langfristig planbare Cashflows generieren. Diese Assetklassen dienen der Diversifikation und Stabilisierung von Portfolios und dürften ihren Marktanteil auch 2026 weiter ausbauen.</p> <p>Im gewerblichen Bereich, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe, befindet sich der Markt in einer Transformationsphase mit klarem Fokus auf etablierte, funktionierende Bestandsimmobilien. Mittelfristig wird eine Belebung durch die Ansiedlung forschungs- und entwicklungsintensiver Nutzungen erwartet – nicht zuletzt getrieben durch infrastrukturelles Interesse aus dem Defence-Bereich.</p>

<h2>Investoren zwischen Premiumlagen und Chancen im B-Standort-Segment</h2> <p>In Innenstadtlagen werden Investments 2026 wieder zu höheren Faktoren realisiert als in den Vorjahren. Interessant dabei: Private Kapitalgeber überbieten institutionelle Angebote mittlerweile häufig – ein Trend, der für eine stabile Nachfrage nach Premiumimmobilien sorgt. Für weniger zentrale Lagen bleibt die Situation dagegen differenzierter. Attraktiv sind hier vor allem Objekte mit langfristigen Mietverträgen und deutlichen Preisabschlägen.</p> <p>Ausschüttungsorientierte Investoren, insbesondere aus dem Ausland, zeigen wieder stärkeres Interesse an Transaktionen im Bereich zwischen 10 und 50 Millionen Euro. Chancen ergeben sich 2026 besonders dort, wo Anpassungsdruck Bewegung erzeugt – etwa bei älteren Bestandsobjekten mit Refinanzierungsbedarf in einem Mikroumfeld, das noch Spielraum für Mietpreissteigerungen bietet. Auch aus dem Nahen Osten und dem arabischen Raum bleibt das Interesse bestehen, wobei sich die Strategie zweiteilt: renditestarke opportunistische Investments auf der einen, Liebhaberobjekte mit geringem Managementaufwand – etwa langfristig verpachtete, namhafte Hotelimmobilien – auf der anderen Seite.</p>

<h2>Neue Formate und ein Blick auf die Messe selbst</h2> <p>Die Expo Real, seit 1998 von der Messe München GmbH veranstaltet, hat sich in den vergangenen Jahren wieder deutlich erholt. Nach den Einschränkungen der Pandemiejahre präsentierte sich die Messe bereits 2022 wieder mit sieben Hallen und mehr als 1.900 Ausstellern, von denen zwei Drittel aus Deutschland stammten. Ein zentrales Element der aktuellen Ausrichtung ist der neue Bereich „Transform & Beyond by Expo Real“, der programmatisch zusammenfasst, worauf es der Branche derzeit ankommt: die gemeinsame Gestaltung der Zukunft der Immobilienwirtschaft.</p> <p>Praktisch für Besucherinnen und Besucher: Seit 2023 ist im Expo-Real-Ticket die kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zur und von der Messe München enthalten – konkret das MVV-Ticket für die Zonen M-6, gültig am jeweiligen Besuchstag. Ein kleiner, aber spürbarer Service-Baustein, der die Anreise zur größten deutschen Immobilienmesse erleichtert.</p>

<h2>Fazit: Vorsichtiger Optimismus mit klaren Schwerpunkten</h2> <p>Die Expo Real 2026 trifft auf eine Branche im Umbruch: Die generelle Vorsicht ist noch nicht verschwunden, doch einzelne Signale – etwa im Bürosegment oder bei zurückkehrenden institutionellen Investoren – deuten auf eine allmähliche Stabilisierung hin. Wohnimmobilien und Hotels bleiben Stimmungsträger, während Betreiberimmobilien wie Data-Center oder Gesundheitsimmobilien als verlässliche Diversifikationsbausteine an Bedeutung gewinnen. Wer im Oktober nach München reist, wird auf eine Messe treffen, die weniger von Euphorie als von nüchterner, aber konstruktiver Bestandsaufnahme geprägt ist – ein realistisches Abbild einer Branche, die sich neu sortiert, ohne den Blick nach vorne zu verlieren.</p>