EXPO REAL 2026: DIW warnt vor sinkender Bauproduktivität
<p>Die deutsche Bauwirtschaft steckt in einem Paradox: Während das Bauvolumen nach Jahren der Flaute 2026 erstmals wieder spürbar wachsen soll, zeigt eine neue DIW-Analyse ein strukturelles Problem auf, das die gesamte Branche seit Jahrzehnten begleitet – die schwache Produktivität am Bau. Für Fachbesucher kommender Branchenevents wie den Deutschen Wohnungsbautag in Berlin oder die EXPO REAL in München dürfte das Thema zu den zentralen Diskussionspunkten des Jahres zählen.</p>
<h2>Kehrtwende am Bau: Wachstum nach Jahren des Rückgangs</h2> <p>Laut der aktuellen Bauvolumenrechnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), veröffentlicht im DIW Wochenbericht 1+2 2026, steht die deutsche Bauwirtschaft vor einer Trendwende. Nach Jahren rückläufiger Bauleistung soll das Bauvolumen 2026 erstmals seit 2020 wieder zulegen – um 1,7 Prozent. Für 2027 erwarten die Forschenden sogar ein Plus von 3,4 Prozent. Haupttreiber dieser Entwicklung ist der öffentliche Tiefbau, doch auch der Wohnungsneubau zieht wieder an: Nach einem Rückgang von 6,4 Prozent im Jahr 2025 wird für 2026 ein Zuwachs von 2,4 Prozent erwartet, 2027 sogar von 6,1 Prozent.</p> <p>Diese Zahlen sind für die Branche ein wichtiges Signal nach einer langen Phase der Stagnation. Öffentliche Investitionen wirken als Katalysator – ein Thema, das auch auf dem Deutschen Wohnungsbautag am 19. Mai 2026 in Berlin im Mittelpunkt stehen dürfte, wo Förderkonzepte und Baulandmobilisierung diskutiert werden.</p>
<h2>Das Produktivitätsproblem seit 1991</h2> <p>Doch die DIW-Forschenden dämpfen die Euphorie: Die Produktivität im Bausektor ist seit 1991 deutlich gesunken – ein Befund, der die gesamte Branche seit über drei Jahrzehnten begleitet. Studienautor Martin Gornig, Forschungsdirektor für Industriepolitik am DIW Berlin, warnt: <strong>„So erfreulich die Entwicklung der Bauwirtschaft ist, gibt es noch keinen Grund zur Entwarnung. Die Produktivität im Bauwesen ist zuletzt deutlich gesunken. Sollten durch die vielen Investitionen die sehr spezialisierten Baufirmen an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, könnte dies den Preisauftrieb erneut befeuern – und die Dynamik bremsen.“</strong></p> <p>Damit die öffentlichen Investitionen nicht in steigenden Preisen verpuffen, müsse die Produktivität der Bauwirtschaft dringend verbessert werden – etwa durch gezielte Initiativen von Politik und Unternehmen. Die Forschenden schlagen konkret eine Taskforce zur Koordination öffentlicher Investitionen vor, in der die unterschiedlichen staatlichen Ebenen zusammenarbeiten sollen. Für Messen wie die EXPO REAL, Europas größte B2B-Plattform für Immobilien und Investitionen, die vom 5. bis 7. Oktober 2026 in München stattfindet, ergibt sich daraus ein naheliegendes Schwerpunktthema: Wie lässt sich mit begrenzten Kapazitäten mehr Wohnraum schaffen?</p>
<h2>Wohnflächen im Wandel: Von 69 auf 94 Quadratmeter</h2> <p>Ein weiterer Aspekt der DIW-Studie betrifft die Entwicklung der Wohnflächen in Deutschland. Seit 1965 sind Wohnungen im Durchschnitt deutlich größer geworden: von 69 Quadratmetern mit 4 Zimmern und 2,7 Bewohnerinnen und Bewohnern im Jahr 1965 auf 94 Quadratmeter mit 4,4 Zimmern und durchschnittlich nur noch 2 Bewohnerinnen und Bewohnern im Jahr 2024 – ein Zuwachs von 25 Quadratmetern. Bleiben Bauzahlen, Abgangsraten und Wohnflächentrends wie 2024 konstant, prognostiziert das DIW Berlin für 2050 jedoch wieder eine Verkleinerung auf durchschnittlich 88,5 Quadratmeter pro Wohnung.</p> <p>Interessant ist dabei ein gegenläufiger Trend innerhalb des Marktes: Neue Einfamilienhäuser werden tendenziell immer größer, während Wohnungen in Mehrfamilienhäusern kleiner werden. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts beobachten die Forschenden zudem international, dass in vielen Ländern weniger große und mehr kleine Wohnungen gebaut werden – ein Trend, der auch für deutsche Bauunternehmen und Projektentwickler relevant sein dürfte, die ihre Produktportfolios entsprechend anpassen müssen.</p>
<h2>Relevanz für die Baumessen 2026</h2> <p>Die aktuellen DIW-Daten liefern damit wichtigen Diskussionsstoff für die zahlreichen Fachmessen und Branchenevents des Jahres 2026. Neben dem Deutschen Wohnungsbautag und der EXPO REAL dürften auch Veranstaltungen wie die glasstec in Düsseldorf (20. bis 23. Oktober) mit ihrem Fokus auf energieeffiziente Fassadentechnik oder die GET Nord in Hamburg (19. bis 21. November) mit Schwerpunkt Gebäudetechnik indirekt von den beschriebenen Produktivitäts- und Flächentrends profitieren. Denn letztlich geht es bei all diesen Themen um dieselbe Frage: Wie kann die Bauwirtschaft trotz struktureller Herausforderungen mehr und zugleich effizienter bauen?</p>
<h2>Fazit und Ausblick</h2> <p>Die DIW-Analyse zeichnet ein differenziertes Bild der deutschen Bauwirtschaft: Einerseits mehren sich die Anzeichen für eine konjunkturelle Erholung, getragen von öffentlichen Investitionen und einem wiedererstarkenden Wohnungsneubau. Andererseits bleibt die seit 1991 rückläufige Produktivität ein ungelöstes strukturelles Problem, das die positiven Effekte der Investitionsoffensive schmälern könnte. Für Aussteller, Planer und Investoren, die sich in den kommenden Monaten auf dem Deutschen Wohnungsbautag, der EXPO REAL oder anderen Branchentreffen austauschen, dürfte die zentrale Botschaft lauten: Wachstum allein reicht nicht – ohne Produktivitätssteigerungen bleibt der dringend benötigte Wohnraum teuer und knapp.</p>