Enforce Tac 2026: Nürnberg wehrt sich gegen Konkurrenz aus Hannover
<p>Die Enforce Tac in Nürnberg gilt als wichtigste deutsche Messe für Sicherheit und Verteidigung – doch der Wind wird rauer. Während sich Rheinmetall, KNDS und zahlreiche Start-ups noch bis Mittwoch um die Aufmerksamkeit der Fachbesucher bemühen, wächst aus Hannover eine neue Herausforderin heran, die den Nürnberger Standort unter Druck setzen könnte.</p>
<h2>Wachstum trotz neuer Wettbewerber</h2> <p>Nach Angaben der Veranstalter präsentierten sich auf der Enforce Tac 2026 über <strong>1.400 Aussteller aus 45 Ländern</strong>, rund <strong>26.500 Fachbesucher</strong> reisten nach Nürnberg. Die Messe versteht sich längst nicht mehr nur als Verkaufsplattform für Pistolen, Holster oder Nachtsichtgeräte, wie es in den Anfangsjahren der Fall war. Unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzler Friedrich Merz wurde in diesem Jahr die Verzahnung von innerer und äußerer Sicherheit sowie die Abwehr hybrider Bedrohungen strategisch in den Mittelpunkt gerückt. Die Veranstalter positionieren die Enforce Tac damit bewusst als zentrale Plattform für Entscheider aus Behörden, Industrie und Wissenschaft – nicht nur als klassische Fachmesse.</p>
<h3>Konkurrenz aus Hannover formiert sich</h3> <p>Der Zeitpunkt für diesen Ausbau könnte allerdings kaum ungünstiger gewählt sein: Die Londoner Rüstungsmesse DSEI plant, im kommenden Jahr einen deutschen Ableger in Hannover zu starten. Damit droht der Enforce Tac erstmals seit Jahren echte Konkurrenz auf nationalem Boden. Die Nürnberger Messe setzt im Gegenzug auf ihre Stärke bei Innovationen und die Vernetzung von Start-ups, Militär und Wirtschaft, um sich von der neuen Konkurrenz abzuheben. Ob dieser Fokus ausreicht, um die Position als Leitmesse zu verteidigen, wird sich in den kommenden Ausgaben zeigen.</p>
<h2>Vom Panzer bis zum unbemannten Fahrzeug</h2> <p>Auf der Ausstellungsfläche selbst zeigt sich der Strukturwandel der Branche besonders deutlich. Neben etablierten Großkonzernen wie Rheinmetall und KNDS, die mit schwerem Gerät auftreten, buhlen zahlreiche junge Unternehmen um Aufmerksamkeit. Besonders unbemannte Systeme stehen im Fokus: Arx Robotics aus München präsentierte die neueste Variante seines Fahrzeugs Gereon, ausgestattet mit Panzerabwehrsystemen des bayerischen Traditionsherstellers MBDA Deutschland. Das Unternehmen bezeichnet sich nach eigenen Angaben als wichtigsten westlichen Lieferanten unbemannter Landsysteme für die Ukraine.</p>
<h3>Drohnenhersteller wagt Schritt in neues Segment</h3> <p>Für Aufsehen sorgte zudem die Firma Quantum Systems aus dem oberbayerischen Gilching, die bislang vor allem als Hersteller fliegender Drohnen bekannt war. Mit dem Gerät „Mandrill“ zeigte das Unternehmen erstmals ein unbemanntes Fahrzeug für den Bodeneinsatz – ein Zeichen dafür, wie stark sich die Grenzen zwischen den einzelnen Technologiesegmenten der Verteidigungsindustrie derzeit auflösen. Angesichts rasant wachsender Verteidigungshaushalte und einer stetig steigenden Zahl neuer Anbieter von Militärtechnik versuchen immer mehr Messeveranstalter, von diesem Marktwachstum zu profitieren.</p>
<h2>Fazit: Nürnberg muss sich neu positionieren</h2> <p>Die Enforce Tac steht damit an einem Scheidepunkt: Einerseits belegen die Besucher- und Ausstellerzahlen ein ungebrochenes Interesse an der Nürnberger Messe, andererseits wächst der Druck durch neue Konkurrenzformate wie den geplanten DSEI-Ableger in Hannover. Der verstärkte Fokus auf Innovation, Start-ups und die Vernetzung unterschiedlicher Akteure aus Militär, Wissenschaft und Wirtschaft dürfte dabei die entscheidende Strategie sein, mit der sich die Messe langfristig von der Konkurrenz abheben will. Wie sich das Kräfteverhältnis zwischen den deutschen Rüstungsmessen künftig entwickelt, dürfte spätestens mit dem Start des Hannoveraner Formats im kommenden Jahr sichtbar werden.</p>