Analyse

Deutsche Messe Hannover: 6,2 Millionen Euro für Berater

Nacer BOUSFIHA16. August 20263 Min. Lesezeit
Deutsche Messe AGHannover Messe 2026SanierungBeraterkostenMessewirtschaft

<p>Während sich die Hannover Messe 2026 bereits als globale Bühne für Industrie 4.0, Wasserstofftechnologien und Automatisierung positioniert, kämpft die Betreiberin des Geländes mit hausgemachten Problemen. Wie aus einer Antwort der niedersächsischen Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der CDU-Landtagsabgeordneten Martina Machulla hervorgeht, hat die Deutsche Messe AG seit dem Jahr 2020 rund <strong>6,2 Millionen Euro für Beratungsleistungen und Gutachten</strong> ausgegeben – Geld, das angesichts der finanziellen Lage des Unternehmens durchaus Fragen aufwirft.</p><h2>Beraterkosten trotz ungeklärtem Sanierungsbedarf</h2><p>Besonders brisant: Trotz der hohen Summen, die in externe Expertise geflossen sind, ist bis heute nicht abschließend geklärt, wie hoch der tatsächliche Sanierungs- und Investitionsbedarf auf dem Messegelände ausfällt. Um endlich belastbare Zahlen zu erhalten, hat die Deutsche Messe AG nun ein weiteres Gutachten bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft <strong>PwC</strong> in Auftrag gegeben. Die Deutsche Messe AG befindet sich im Besitz des Landes Niedersachsen und der Stadt Hannover – öffentliche Gelder stehen also unmittelbar im Feuer der Debatte.</p><h2>Ein wackliges finanzielles Fundament</h2><p>Die Zahlen zeichnen ein durchwachsenes Bild: Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete die Deutsche Messe AG noch einen Überschuss von <strong>18 Millionen Euro</strong> bei einem Umsatz von <strong>305 Millionen Euro</strong>. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen laut NDR jedoch einen Verlust von rund <strong>25 Millionen Euro</strong>. Als Gründe nennt ein Unternehmenssprecher die wirtschaftlich schwierige Lage, zurückhaltende Aussteller sowie die Tatsache, dass in diesem Jahr traditionell weniger Veranstaltungen stattfinden.</p><p>Hinzu kommt die Altlast aus der Corona-Pandemie: Von dem ursprünglichen Kredit über <strong>120 Millionen Euro</strong> stehen noch immer <strong>44 Millionen Euro</strong> in den Büchern. Besonders heikel ist die Haftungsfrage – laut Ministerium bürgt das Land für die Hälfte des Kredits im Ausfallfall zu 90 Prozent. Das Risiko für den Steuerzahler ist damit alles andere als gering.</p><h3>Verkleinerung des Messegeländes im Gespräch</h3><p>Angesichts der angespannten Lage denkt die Deutsche Messe AG nun offenbar über strukturelle Einschnitte nach. Nach eigenen Angaben gibt es konkrete Überlegungen, das Messegelände in Hannover zu verkleinern – der genaue Umfang ist allerdings noch offen. Das Unternehmen will sich damit grundlegend neu aufstellen, um langfristig wieder auf einen stabilen wirtschaftlichen Kurs zu kommen.</p><h2>Hannover Messe 2026: Leuchtturm trotz Krise im Hintergrund</h2><p>Parallel zu den internen Herausforderungen bleibt die Hannover Messe als Veranstaltungsmarke international ein Aushängeschild. Die kommende Ausgabe findet vom 20. bis 24. April 2026 statt und versammelt über <strong>4.000 Ausstellende</strong> aus Maschinenbau, Elektro-, Digital- und Energiewirtschaft – darunter namhafte Unternehmen wie Amazon, Emerson, Microsoft und Siemens. Im Mittelpunkt stehen drei zentrale Themenfelder:</p><ul><li><strong>Automatisierung & Digitalisierung:</strong> Lösungen für Smart Manufacturing, Robotik, Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit</li><li><strong>Energie & industrielle Infrastruktur:</strong> Technologien für nachhaltige Energiesysteme, Wasserstoff und Netzlösungen</li><li><strong>Forschung & Technologietransfer:</strong> Innovationen aus Wissenschaft und Entwicklung für die Industrie von morgen</li></ul><p>Die Messe selbst bleibt damit ein wichtiger Impulsgeber für die Industrie – unabhängig davon, wie es um die wirtschaftliche Gesundheit der Betreibergesellschaft bestellt ist.</p><h2>Fazit und Ausblick</h2><p>Die Deutsche Messe AG steht an einem Scheideweg: Millionenschwere Beraterhonorare, ein noch nicht abgetragener Corona-Kredit und ein erwarteter Millionenverlust im laufenden Jahr setzen das Unternehmen unter erheblichen Druck. Ob das in Auftrag gegebene PwC-Gutachten endlich Klarheit über den tatsächlichen Sanierungsbedarf schafft und eine mögliche Verkleinerung des Geländes die richtige strategische Antwort ist, wird sich in den kommenden Monaten zeigen müssen. Für Aussteller und Besucher der Hannover Messe 2026 dürfte die operative Strahlkraft der Veranstaltung davon zunächst unberührt bleiben – langfristig jedoch entscheidet sich am Verwaltungssitz in Hannover, wie zukunftsfähig der Messestandort insgesamt aufgestellt ist.</p>