Branchentrends

CMT 2026: Caravaning-Branche trotzt Absatzrückgang

Nacer BOUSFIHA19. August 20263 Min. Lesezeit
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<p>Der Traum vom Reisen auf vier Rädern bleibt ungebrochen – auch wenn die Zahlen der deutschen Reisemobil- und Wohnwagenhersteller zuletzt rückläufig waren. Auf der Stuttgarter Reisemesse <strong>CMT</strong> zog der Caravaning Industrie Verband (CIVD) eine differenzierte Bilanz: Weniger Produktion, aber ungebrochene Attraktivität der Branche. Was steckt hinter den Zahlen, und wohin steuert der Markt 2026?</p><h2>Produktion und Zulassungen rückläufig</h2><p>Die deutschen Hersteller von Reisemobilen und Wohnwagen haben ihre Produktion im vergangenen Jahr deutlich zurückgefahren. Insgesamt verließen rund <strong>99.000 Fahrzeuge</strong> die Werkshallen – ein Minus von rund <strong>17 Prozent</strong> gegenüber dem Vorjahr, wie der CIVD auf der CMT mitteilte. Rund <strong>42.000 Fahrzeuge</strong> davon gingen in den Export. Auch bei den Neuzulassungen zeigte sich 2025 ein Rückgang: Insgesamt wurden <strong>2,3 Prozent weniger</strong> neue Wohnmobile und Wohnwagen zugelassen als im Vorjahr.</p><p>CIVD-Geschäftsführer <strong>Daniel Onggowinarso</strong> sprach von einer „für Hersteller und Händler herausfordernden, aber stabilen Entwicklung“. Die Branche habe ein Jahr mit innen- und geopolitischen Unsicherheiten sowie verhaltenem Konsumklima bewältigen müssen. Dennoch habe Caravaning „nichts von seiner Attraktivität eingebüßt“. Im Gegenteil: „Gerade in unsicheren und dynamischen Zeiten gewinnen Aspekte wie Flexibilität, Individualität und Selbstbestimmtheit beim Reisen an Bedeutung“, so Onggowinarso.</p><h2>Gebrauchtmarkt boomt</h2><p>Während bei Neufahrzeugen die Zurückhaltung spürbar ist, bleibt der Gebrauchtmarkt ein Wachstumstreiber der Branche. Im Jahr 2025 wechselten <strong>111.034 Wohnmobile</strong> und <strong>81.205 Wohnwagen</strong> den Besitzer. Besonders selbst ausgebaute Vans und kompakte Camper sind gefragt – sie bieten Einsteigern einen vergleichsweise günstigen und schnellen Zugang zum Camping-Hobby, ohne die hohen Anschaffungskosten eines Neufahrzeugs.</p><p>Deutschland spielt dabei eine Schlüsselrolle im europäischen Markt: Fast die Hälfte aller neuen Reisemobile und Wohnwagen in Europa wurde im vergangenen Jahr hierzulande angemeldet. Bekannte deutsche Hersteller wie Bürstner, Dethleffs, Fendt Caravan, Hymer und Knaus Tabbert prägen damit nicht nur den heimischen, sondern auch den europäischen Caravaning-Markt entscheidend mit.</p><h2>Trends für 2026: klein, leicht, bezahlbar</h2><h3>Mini-Caravans für E-Autos</h3><p>Ein zentraler Branchentrend zeigt sich bei den Fahrzeuggewichten: Da immer häufiger Elektroautos als Zugfahrzeuge zum Einsatz kommen, setzen Hersteller verstärkt auf leichte, kompakte Wohnwagen. Weniger Gewicht bedeutet mehr Reichweite – ein Argument, das auch für Klein- und Kompaktwagen mit Verbrennungsmotor zählt. Als Prototyp sorgt etwa der einklappbare <strong>Dethleffs c.fold</strong> für Aufsehen: Eingefaltet ist er nur 1,65 Meter hoch und wiegt weniger als 800 Kilogramm. Auch die <strong>Fendt NEXT-Baureihe</strong> setzt konsequent auf Leichtbau mit nur 1.000 Kilogramm zulässiger Gesamtmasse – ideal für kleinere Zugfahrzeuge und E-Autos.</p><h3>Einsteigermodelle und Umbrüche im Portfolio</h3><p>Da sich nur wenige Camper ein eigenes Wohnmobil leisten können, reagieren Hersteller mit bezahlbaren Einsteigermodellen sowie Kastenwagen zum Selbstausbau. Gleichzeitig ordnen etablierte Marken ihr Portfolio neu: Dethleffs strukturiert sein Caravan-Programm um, während Bürstner die Wohnwagenproduktion ab der Saison 2027 einstellt und sich künftig auf Reisemobile und Camper Vans konzentriert – ein Zeichen dafür, dass sich die Branche strategisch neu ausrichtet, statt einfach nur zu schrumpfen.</p><h2>Ausblick: Caravan Salon 2026 in Düsseldorf</h2><p>Trotz der rückläufigen Zahlen blickt der CIVD „vorsichtig optimistisch“ auf 2026. Erste Signale stimmen zuversichtlich: Im ersten Halbjahr 2026 zeigte sich bei den Reisemobilen bereits ein kleines Zulassungsplus. Ein wichtiger Stimmungstest für die Branche wird der <strong>65. Caravan Salon</strong> in Düsseldorf sein, der vom 28. August bis 6. September 2026 stattfindet und erstmals eigene Bereiche für Dachzelte und Offroad-Fahrzeuge bietet. Zudem könnte die geplante EU-Führerscheinreform auf 4,25 Tonnen künftig mehr Komfort in Serienfahrzeuge bringen und neue Käuferschichten erschließen.</p><p>Auch auf der CMT in Stuttgart, die nach eigenen Angaben die weltweit größte Publikumsmesse für Tourismus und Freizeit ist, zeigte sich die anhaltende Faszination fürs Reisen auf Rädern: Rund 1.200 Reisemobile konnten Besucherinnen und Besucher dort bis zum 25. Januar begutachten.</p><h2>Fazit</h2><p>Die Caravaning-Branche steckt in einer Phase der Konsolidierung, nicht der Krise. Weniger Produktion und rückläufige Neuzulassungen stehen einem robusten Gebrauchtmarkt und wachsendem Interesse an leichten, bezahlbaren sowie E-Auto-tauglichen Modellen gegenüber. Mit dem Caravan Salon 2026 in Düsseldorf und einer möglichen Führerscheinreform stehen der Branche richtungsweisende Impulse bevor – die Reiselust der Deutschen scheint davon jedenfalls unbeeindruckt.</p>