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Auslandsmesseförderung 2026: Weniger German Pavilions weltweit

Nacer BOUSFIHA28. Oktober 20263 Min. Lesezeit
AUMAAuslandsmesseprogrammExportförderungMittelstandGerman Pavilion

<p>Der deutsche Mittelstand verliert an Präsenz auf internationalen Leitmessen: Obwohl das Bundeswirtschaftsministerium den Etat für das Auslandsmesseprogramm (AMP) leicht angehoben hat, sinkt die Zahl der geförderten deutschen Gemeinschaftsstände 2026 spürbar. Der Verband der deutschen Messewirtschaft AUMA schlägt Alarm und fordert von der Politik ein deutliches finanzielles Gegensteuern.</p>

<h2>Mehr Geld, weniger Stände</h2> <p>Für das laufende Jahr stellt der Bund 44 Millionen Euro für die Unterstützung deutscher Unternehmen auf Auslandsmessen bereit – ein Plus von knapp einem Prozent gegenüber dem Vorjahr, in dem 43,5 Millionen Euro zur Verfügung standen. Auf den ersten Blick klingt das nach einer Stärkung der Exportförderung. Die Realität sieht jedoch anders aus: Die Zahl der sogenannten German Pavilions, also der deutschen Gemeinschaftsbeteiligungen auf Messen im Ausland, sinkt im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent. Insgesamt sind für 2026 noch 236 Gemeinschaftsbeteiligungen in über 50 Ländern geplant, davon rund 120 bereits im ersten Halbjahr.</p> <p>Der Grund für diesen Widerspruch liegt in den gestiegenen Kosten der Branche. Laut AUMA haben sich die Kosten für Messebeteiligungen zuletzt um bis zu 40 Prozent erhöht – von Standmiete über Logistik bis hin zu Personal- und Reisekosten. Die moderate Budgeterhöhung reicht bei Weitem nicht aus, um diese Kostensteigerungen auszugleichen, sodass unterm Strich weniger Gemeinschaftsstände finanziert werden können.</p>

<h2>Warnung des Verbands: Exportchancen in Gefahr</h2> <p>Für den AUMA ist diese Entwicklung ein alarmierendes Signal. „20 deutsche Gemeinschaftsstände weniger auf den Messen weltweit bedeuten hundertfach weniger Exportchancen für den deutschen Mittelstand“, kritisiert der AUMA-Geschäftsführer. Der Verband fordert daher eine Aufstockung des Budgets um fünf Millionen Euro auf mindestens 49 Millionen Euro, um Qualität und Quantität des Programms langfristig zu sichern.</p> <p>Das Auslandsmesseprogramm gilt seit Jahrzehnten als eines der wirkungsvollsten Instrumente der deutschen Außenwirtschaftsförderung. Bei den geförderten Messen übernimmt der Bund rund 50 Prozent der direkten Messekosten, den Rest trägt das jeweils ausstellende Unternehmen selbst. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) profitieren davon, da ihnen der oft kostspielige und risikoreiche erste Schritt auf internationale Märkte erleichtert wird.</p>

<h3>Starker Hebel für Wertschöpfung und Arbeitsplätze</h3> <p>Dass sich diese Investition volkswirtschaftlich lohnt, belegen Studien, auf die der AUMA verweist: Demnach ermöglicht ein Euro Steuergeld, der in das Programm fließt, rund 216 Euro an Wertschöpfung. Jährlich nutzen bis zu 5.000 deutsche Unternehmen die Förderung, um neue Absatz- und Beschaffungsmärkte zu erschließen. Seit dem Start des Programms im Jahr 1949 wurden auf diesem Weg mehr als 215.000 kleine und mittelständische Unternehmen beim Sprung ins Ausland unterstützt – eine beeindruckende Bilanz, die den strukturellen Wert des AMP für den deutschen Mittelstand unterstreicht.</p> <p>Gerade in wirtschaftlich fragilen Zeiten, in denen sich globale Lieferketten verschieben und neue Märkte an Bedeutung gewinnen, sehen Branchenvertreter im Auslandsmesseprogramm ein zentrales Instrument, um deutsche Unternehmen international wettbewerbsfähig zu halten. Eine schrittweise Reduzierung der geförderten Standflächen könnte diese Position langfristig schwächen – insbesondere für Unternehmen, die sich eine eigenständige Messeteilnahme im Ausland finanziell nicht leisten können.</p>

<h2>Ausblick: Weitere Kürzungen drohen</h2> <p>Die Entwicklung könnte sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Bereits für 2027 ist laut AUMA eine weitere Kürzung des Etats auf 41,4 Millionen Euro im Gespräch – ein Schritt, den der Verband scharf kritisiert. Nach Einschätzung des AUMA-Vorsitzenden widerspricht dies dem im Koalitionsvertrag formulierten Ziel einer Stärkung der Außenwirtschaftsförderung. Zusätzlich brisant: Auch das Messeprogramm für Young Innovators, das junge Start-ups beim internationalen Markteintritt unterstützt, steht offenbar vor Kürzungen.</p> <p>Für die deutsche Messewirtschaft und den exportorientierten Mittelstand bleibt die Lage damit angespannt. Ob der Deutsche Bundestag der Forderung nach einer Aufstockung auf mindestens 49 Millionen Euro folgt, wird sich in den kommenden Haushaltsberatungen zeigen. Fest steht: Ohne eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung des Auslandsmesseprogramms drohen deutsche Unternehmen im internationalen Wettbewerb weiter an Boden zu verlieren – zu einem Zeitpunkt, an dem der Zugang zu neuen Märkten wichtiger denn je ist.</p>